Saethre-Chotzen Syndrom

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Saethre-Chotzen Syndrom

 

Baller-Gerold Syndrom

 

Erkrankung Gen OMIM
Saethre-Chotzen Syndrom TWIST1 101400
Baller-Gerold Syndrom TWIST1 218600

 

Das Saethre-Chotzen Syndrom (synonym: Akrozephalosyndaktylie Typ III) ist ein autosomal-dominantes Kraniosynostose-Syndrom, gekennzeichnet durch eine prämature Koronarnaht-Synostose und Extremitätenanomalien. Der Phänotyp ist variabel und zum Teil so milde, daß die Störung unterdiagnostiziert ist. Die Prävalenz wird mit 1:25.000 bis 1:50.000 angegeben.

 

Das Baller-Gerold Syndrom stellt eine heterogene, genetisch bedingte Erkrankung mit prä- und postnatalen Minderwuchs, einer prämaturen Kraniosynostose und radialen Strahlendefekten dar. Die Phänotyp-Ähnlichkeit mit dem Saethre-Chotzen Syndrom wurde von Gripp et al. (Am. J. Med. Genet., 82, 170-176, 1999) sowie Seto et al. (Am. J. Med. Genet., 104, 323-330, 2001) gezeigt.

 

Klinik / Indikation

 

Saethre-Chotzen Syndrom:

 

  • Brachyzephalie oder Akrozephalie mit Koronarnaht-Synostose. Seltener sind andere, prämature Schädelnahtsynostosen betroffen, die zu Plagiozephalie und Gesichtsasymmetrien führen. Die große Fontanelle ist groß und schließt sich später. Die Stirn ist betont, der Stirn-Haaransatz vertieft, der Maxilla hypoplastisch, dadurch relative Prognathie. Die Nase ist oft schnabelartig gebogen, das Septum verbogen, hoher Gaumen oder Gaumenspalte, Ptose und Tränenwegsanomalien;

  • Kurze plumpe Finger, kutane Syndaktylien der 2./3. Finger und Zehen. Eine Variante mit bifider oder partieller Duplikation der Zehen wurde als Robinow-Sorauf Syndrom (OMIM 180750) bezeichnet (nicht verwechseln mit dem Robinow-Fetalgesichts-syndrom !);

  • Selten mentale Retardierung, Kleinwuchs, Wirbelkörperanomalien und Hörstörungen.

 

Baller-Gerold Syndrom:

 

  • Prämature Kraniosynostose, meist der Koronarnaht, aber auch anderer kranialer Nähte. Je nach prämaturer Synostose: Turrizephalie, Plagiozephalie oder Kleeblatt-deformierung;

  • Radiale Strahlendefekte (symmetrisch oder unilateral). Assoziierte Handfehlbildungen, wie Oliodaktylie oder Daumenaplasie oder –hypoplasie;

  • Variable große Fehlbildungen, aber meist normale Intelligenz, Kleinwuchs.

 

Genetik

 

Das ursächliche Gen für das Saethre-Chotzen Syndrom ist das TWIST1, welches für einen Transkriptionsfaktor codiert, der für die Mesenchym-Zellentwicklung während der Kranialentwicklung wichtig ist. Durch chromosomale Bruchpunkt- und Linkage-Analysen wurde das Gen auf Chromosom 7p21-p22 lokalisiert. Beim Saethre-Chotzen Syndrom sind über 35 TWIST1-Mutationen beschrieben. Eine Genotyp-Phänotyp Korrelation besteht nicht. Ein Mutationsnachweis gelingt in 60 bis 70 Prozent der Fälle. Ein Teil der Patienten weist große Mikrodeletionen von 3.5 bis 10 Megabasen auf. Diese Patienten haben aber Lernbehinderungen bzw. mentale Retardierungen.

 

Der gleiche Phänotyp kann aber auch durch Mutationen im FGFR3-Gen - speziell mit der Mutation p.Pro250Arg beim Muenke Syndrom - bedingt sein. Ist eine TWIST1-Mutation bzw. eine Mikrodeletion ausgeschlossen, sollte deshalb eine FGFR3-Mutationsanalyse angeschlossen werden.

 

Während das Saethre-Chotzen Syndrom autosomal-dominant vererbt wird, wurde für das Baller-Gerold Syndrom eine autosomal-rezessive Vererbung gezeigt. Mutationen im TWIST1-Gen konnten in diesen Fällen insbesondere in der konservierten Helix II-Domäne nachgewiesen werden. Wie häufig diese Mutationen beim Baller-Gerold Syndrom vorkommen, ist aber noch unklar.

 

Diagnostik

 

Aus genomischer DNA wird das codierende Exon 1 des TWIST1-Gens mittels PCR amplifiziert und anschließend einschließlich der flankierenden intronischen Sequenzen mit Hilfe der Sequenzierung analysiert. Darüber hinaus wird aus genomischer DNA mittels MLPA (Multiplex Ligation-dependent Probe Amplification) eine Deletions- bzw. Duplikations-suche durchgeführt.

 

Der Bearbeitungszeitraum liegt bei etwa 2 Wochen.

 

Untersuchungsmaterial

 

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

 

Kontakt

 

Dipl.-Biol. Susann Riedel
Tel.: 0351 / 492 78 950        Fax: 0351 / 492 78 955        e-mail: info@praxisverbund-humangenetik.de

 

Letzte Aktualisierung: August 2013

 

Die Untersuchung unterliegt nicht der Budgetierung.

 

Mitteldeutscher Praxisverbund Humangenetik

Molekulargenetisches Labor

Friedrichstraße 38/40    01067 Dresden