Angelman Syndrom

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Angelman Syndrom (OMIM  105830)

 

UBE3A

 

Klinik / Indikation

 

Das Angelman Syndrom (synonym: "happy puppet" Syndrom) ist ein charakteristisches Syndrom aus schwerem Entwicklungsrückstand, fehlender Sprache, Bewegungs- und Gleichgewichtsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten. Die Häufigkeit liegt zwischen 1 : 10.000 und 1 : 15.000.

 

Das klinische Bild umfasst die folgenden Merkmalsausprägungen:

 

• Schwerer Entwicklungsrückstand und/oder mentale Retardierung.

• Fehlende Sprachentwicklung oder minimaler Wortschatz (nicht-verbale Kommunikation ist aber möglich).

• Ataktischer Gang und/oder nervös-zittrige Extremitätenbewegungen.

• Spezifische Verhaltensauffälligkeiten mit leicht erregbarer Persönlichkeit, einem vermutlich glücklichem Verhalten, unmotiviertes Lachen,  hypermotorische Aktivitäten, kurze  Aufmerksamkeitsspannen.

• Zusätzliche weitere Symptome: Mikrocephalie, cerebrale Anfälle nach dem 3. Jahr,  abnormes EEG, Hypopigmentation.
 

Genetik

 

Auf der Grundlage zytogenetischer und molekulargenetischer Befunde können Patienten mit Angelman Syndrom in die folgenden fünf Gruppen unterteilt werden:

 

1. Etwa 70 Prozent der Patienten besitzen interstitielle Deletionen von ca. 4 Mb (gelegentlich kleiner oder größer) ohne Wiederholungsrisiko, die mit der MLPA Analyse erkannt werden.

2. Ein bis drei Prozent weisen eine paternale uniparentale Disomie (UPD pat) der Region 15q11-13 mit einem Wiederholungsrisiko von < 1 Prozent auf.

3. Bei ein bis drei Prozent der Patienten liegen Imprinting-Defekte mit einem  Wiederholungsrisiko von 50 % zugrunde.

4. Etwa zehn Prozent haben eine Mutation im Bereich des UBE3A-Gens (Wiederholungsrisiko: 50 Prozent).

5. Die restlichen 10 - 15 Prozent der Fälle sind ursächlich unklar.

 

Bei Patienten der Gruppen 1 – 3 findet sich eine uniparentale DNA-Methylierung an verschiedenen Loci in der Region 15q11-q13. Patienten der Gruppe 4 und 5 zeigen dagegen eine biparentale Methylierung. Patienten der Gruppe 1 können mit DNA-Dosis- und FISH-Analysen diagnostiziert werden. Patienten mit normaler Methylierung der DNA werden einer direkten UBE3A-Sequenzanalyse zugeführt.

 

Eine Genotyp-Phänotyp-Beziehung liegt vor, wobei Patienten der Gruppe 1 den schwersten AS-Phänotyp aufweisen, wohingegen Patienten der Gruppen 2 und 3 viel geringer betroffen sind. Patienten der Gruppe 4 dürften in der Mitte liegen.

 

Diagnostik

 

Mittels methylierungssensitiver MLPA wird der Methylierungszustand des väterlichen und mütterlichen Allels und das Vorliegen einer Deletion im SNRPN Gen und benachbarten Regionen untersucht. Der Bearbeitungszeitraum liegt bei etwa 3 Wochen. Zusätzlich werden ggf. die codierenden Exons des UBE3A-Gens mittels Sequenzierung nach PCR-Amlplifikation analysiert. Die Bearbeitung dauert beim Indexpatienten weitere 3 Wochen. Für die Bestätigung bzw. den Ausschluß einer familiären Mutation wird eine Woche benötigt.

 

Untersuchungsmaterial

 

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

 

Kontakt

 

Dr. rer. nat. Raimund Fahsold (Fachhumangenetiker GfH)

Tel.: 0351 / 492 78 950        Fax: 0351 / 492 78 955        e-mail: info@praxisverbund-humangenetik.de

 

 Letzte Aktualisierung: Januar 2011

 

Die Untersuchung unterliegt nicht der Budgetierung.

 

Mitteldeutscher Praxisverbund Humangenetik

Molekulargenetisches Labor

Friedrichstraße 38/40    01067 Dresden