Williams-Beuren Syndrom

Erkrankung Gen OMIM
Williams-Beuren Syndrom ELN1 194050

Klinik / Indikation

Das Williams-Beuren Syndrom (WBS) ist ein Mikrodeletionssyndrom, welches mit charakteristischen, fazialen Dysmorphien einhergeht.  Folgende Merkmale werden beschrieben: [Eronen et al. 2002 (J Med Genet;39:554-8), Merla et al. 2010 (Hum Genet ,128:3–26 7), Pober 2010 (N Engl J Med ;362:239-52)].

Leitsymptome:

  • prominente Stirn
  • mediale dünne Augenbrauen
  • blaue Augen mit Iris stellata
  • flacher Nasenrücken
  • flaches, langes Philtrum
  • kurze Stupsnase, betonte Nasenspitze
  • vermehrte Weichteilfülle: volle Wangen, volle Lippen (besonders Unterlippe)
  • Zahnstellungsanomalien

Kardiovaskuläre Symptome:

  • vaskuläre Stenosen:
    • supravalvuläre Aortenstenose (75%) (mit variablem Schweregrad)
    • multiple periphere pulmonale Arterienstenose (50%)
  • Hypertonie (50%) aufgrund Nierenarterienstenosen

Entwicklung:

  • milde bis schwere Retardierung (Ø IQ = 60)
  • Kleinwuchs, Mikrozephalie
  • schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen, aber vergleichsweise sehr gute Wiedererkennung von Gesichtern
  • kontaktfreudig und gesprächig

Genetik

Beim Williams-Beuren Syndrom handelt es sich um ein autosomal-dominant vererbtes  Deletionssyndrom  mit einer Häufigkeit von 1:7500-1:20000 [Stromme et al. 2002 (J Child Neurol;17:269-71)], resultierend aus einer heterozygoten Deletion von 1,5-1,8 Mb auf Chromosom 7q11.23. Die beschriebenen Fälle sind meist sporadisch, ein familiäres Auftreten ist eher selten. Die Deletion entsteht durch Misalignment von repetitiven Sequenzen während der Meiose und einem darauf folgenden ungleichen Crossing-over zwischen den Low-Copy-Repeats. 95% der Patienten weisen eine typische Deletion in der Williams-Beuren Syndrom Chromosomenregion auf, welche 28 Gene umfasst.

Das Elastingen ELN, eines der 28 Gene, codiert für ein Strukturprotein, welches eine Komponente der Elastinfasern darstellt und u.a. eine Rolle in der arteriellen Morphogenese spielt. Das ELN ist auf Chromosom 7q11.23 lokalisiert und setzt sich aus 34 Exons zusammen (792 Aminosäure). Beim Auftreten einer isolierten supravalvulären Aortenstenose wurden bereits einige Basenaustausche und kleine Deletionen im ELN Gen nachgewiesen.

Anzumerken ist, dass Mutationen im ELN Gen auch mit dem heterogenen konnatalen Cutis-laxa Syndrom (OMIM 123700) einhergehen können.

Diagnostik

Der Bearbeitungszeitraum beim Indexpatienten liegt bei etwa 3 Wochen. Für den Nachweis bzw. den Ausschluss bereits bekannter Veränderungen bei weiteren Familienmitgliedern ist etwa 1 Woche anzusetzen.

Untersuchungsmaterial

2 ml EDTA-Blut des Indexpatienten sowie weiterer Familienmitglieder. Versand der Proben ungekühlt im Transportröhrchen.

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